Sonntag, 16. November 2014

Der Fall Albert Eckert und der geschäftstüchtige, geldgeile und sonst gar nichts Top-Versand


Im August 1986 erbat ein 'Journalist' namens Albert Eckert vom Top-Versand ein Interview. Er wolle für das schwule Berliner Stadtmagazin siegessäule einen Bericht über den Versand schreiben. In Karlsfeld empfingen die beiden Inhaber den damals 25jährigen, herzig-jovialen Studenten. Ein Schelm, der Böses von diesem Charmebolzen dachte.

War es Ahnungslosigkeit im Umgang mit (investigativen) Journalisten, waren es Eckerts sympathische Schmeicheleien, Tatsache ist, dass Jürgen Brendel und Jens M.A. Reimer allzu locker über ihre Aktivitäten, ihre Produkte und Kunden plauderten. Reimer erbot sich gar noch, den 'zauberhaften' siegessäule-Reporter nach München zurückzuchauffieren, wobei der ihm mit holdem Augenaufschlag versicherte, die lockeren Sprüche und all das, was nicht unmittelbar mit dem Versandgeschäft zu tun hat, natürlich nicht in dem Artikel zu verarbeiten.

Tatsächlich jedoch erschien in der Oktober-Ausgabe 1986 - prominent als erster Beitrag - diese unverfroren diffamierende, vor Verachtung triefende, gleichwohl höchst fidele "Enthüllungsstory" ... über die beiden BMW-Fahrer, samt ihren poppigen Seitenstreifen: "... ein florierendes Unternehmen, geschäftstüchtig, geldgeil und sonst gar nichts."  

Siegessäule-Leser sollen sich vor Vergnügen auf die Schenkel geklopft haben.


Die mickrige Auflage der siegessäule machte den Inhabern des Top-Versand wenig Kopfzerbrechen, und dennoch hatte der Artikel einen spürbaren Effekt, denn in Folge schmissen die "geldgeilen" Unternehmer sämtliche Spenden-Bitten aus Schwulenkreisen in den Papierkorb. Siehe obiger Leserbrief:  

" ... Dabei präsentieren Sie Ihre Story ausgerechnet jenem Leserkreis, aus dem der Top-Versand regelmässig um Unterstützung von Gruppen, kostenlose Kondome, milde Gaben für Benefizveranstaltungen und Anzeigen für Publikationen angegangen wird ... "

U.a. heisst es in Reimers an Eckert adressierten Leserbrief: 
" ... Möge in zehn oder zwanzig Jahren auch bei Ihnen ein Journalist anklopfen, der zwei Stunden Lächeln, Liebreiz und Artigkeiten versprüht, um anschließend eine Story über Sie zusammenzuzimmern, die all Ihr Tun in journalistischer Klatschmanier durchsuppt, mit Sex und persönlichen Herabsetzungen in einzigartiger Einseitigkeit zusammenpresst .... "


Nur dreieinhalb Jahre später jagte eine CDU-und-Presse-Kampagne den frisch vom Berliner Abgeordnetenhaus gewählten Albert Eckert vom Stuhl des Vizepräsidenten. Die christlichen Homo-Hetzer hatten herausgefunden, dass sich der ungeliebte, weil schwule Vizepräsident, während seiner Studienzeit als 'Schönheitsmasseur' feilgeboten hatte.



Kommentare:

  1. Die Geschichte gefällt mir - da prallten wirklich Welten aneinander - alternativ vs. bürgerlich, jung vs. alt, Berlin vs. München ... letztlich spiegelt sie eher die Dummheit eines Albert Eckert wieder ... ein Schönheitsmasseur mit Bleistift auf Ego-Trip ... ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

    Gruß
    Michael

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  2. Das ist doch "homotypisch ganz normal", dass Schwule sich verzückt über Schwule das Maul zerreißen ... wobei der eine Top-Chef auch noch HETEROSEXUELL ist. In linken Schwulenkreisen hieß das - Schwulen etwas zu verkaufen - seinerzeit "Schwule ausnehmen".

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  3. Vom Schönheitsmasseur über den Schwulengeschäftekritiker zum ERBENBERATER. Diese Qualifikation wird in Alberts meisten web-Eintragungen diskret verschwiegen.

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  4. Immerhin wurde (alleine) dieser Albert-Eckert-Post, seit Erscheinen vor drei Jahren, 1.733 mal angesehen. Der Mann erfreut sich also nach wie vor allerlei Neugier.

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